 |

 Island wieder auf Walfang (01.06.2009)
Trotz internationaler Proteste und obwohl die neue isländische Regierung
gegenteilige Pläne verkündet hatte, hat Island wieder den Walfang
eröffnet. Drei Zwergwale sind in der letzten Maiwoche bereits harpuniert
worden. Insgesamt stehen für die Saison 2009 100 Zwergwale und 150 Finnwale
auf der Abschussliste. Damit verstößt das Land nicht nur gegen
das Moratorium der „Internationalen Walfang-Kommission“ (IWC), die seit 1985/86
ein Fangverbot zu kommerziellen Zwecken verhängt hat, sondern es greift
auch der 61. Tagung der IWC vor, die im Juni auf der portugiesischen Insel
Madeira tagt und sich ohne Frage mehrheitlich dagegen aussprechen wird.
Noch im vorigen Jahr warnte Islands Außenministerin davor, langfristige
Interessen, wie den Tourismus, kurzfristigen wirtschaftlichen Interessen
zu opfern. Whale Watching, die harmlose Art, Wale lukrativ zu vermarkten,
bringt schon lange mehr Devisen ins Land, als tote Wale. Auf 20 Mio US$ wird
Islands jährlicher Umsatz im Whale Watching pro Jahr hochgerechnet.
Das können tote Wale kaum bieten.
Noch 2007 hat die Supermarktkette Hagkaup Stores verkündet, kein Walfleisch
anzubieten, weil im eigenen Land keine Nachfrage sei. Daran kann auch das
eher müde wirkende Medieninteresse im Lande kaum etwas ändern.
Bleibt als Abnehmer nur Japan mit seinem großen Hunger auf Seegetier
aller Art. Japan kam aber noch im letzten Jahr auch nicht in Frage, weil
es ein nationales Importverbot verhängt hatte. Wohin also mit den toten
Walen, zumal der internationale Handel mit Walprodukten durch das Washingtoner
Artenschutzabkommen (WA oder CITES) untersagt ist.
|
Zwergwale und Finnwale (Bild) sind auf der Abschussliste
|
Und soviel ist auch klar. Seit dem Nahezu-Bankrott Islands interessiert sich
das Land sehr wohl für den Beitritt zur Europäischen Gemeinschaft,
wohl wissend, dass in der EU Walschutz großgeschrieben wird.
Von 1990 bis 2003 ruhten Islands Harpunen. Im August 2003 hatte die Regierung
den Walfang wieder freigegeben. 36 Zwergwale wurden im ersten Jahr wieder
abgeschossen. Getreu japanischem Vorbild hatte Island seine Fänge zunächst
als wissenschaftlich notwendig deklariert. Seit 2006 greift Island ganz offiziell
auch wieder aus kommerziellen Gründen zur Harpune. Möglich wurde
dieser Coup – ganz ohne Sanktionen anderer Länder, weil Island aus der
IWC aus- und wieder eingetreten ist. Dann aber mit einem „Vorbehalt“, d.h.
das Moratorium nicht anerkennen zu müssen. Weil die meisten Mitgliedsländer
dies für nicht akzeptabel hielten, wurde abgestimmt. Das Unglaubliche
passierte: Island stimmte mit ab – und Island selbst wurde zum Zünglein
an der Waage. Die Folgen müssen die Wale noch heute tragen.
Als Natur- und Tierschützer in den späten 80ern wegen des Walfangs
zu einem Boykott gegen isländischen Fisch aufriefen, brachte das Island
nach Angaben einer nationalen Zeitung rund 50 Millionen Euro Verlust ein.
Weitere Informationen:
|
| |





|
|
 |  Fotografiert von : Andreas Plützer | |





|
|